Kategorie: Lieblinge <3

Spirituelles Abenteuer im Herzen Indiens

Titel: Shantaram

Autor: Gregory David Roberts

1088 Seiten

Preis: 12,99€

 

Heroinabhängigkeit, bewaffneter Raubüberfall und Verurteilung zu 19 Jahren Haft, die nie vollständig abgesessen wurden, führen in zu seinem neuen Leben in der Ferne. In seinem autobiografischen Roman „Shantaram“ erzählt Gregory David Roberts von seinem wilden Leben auf der Flucht. Nachdem Roberts nur zwei Jahre seiner Strafe in einem australischen Gefängnis abgesessen hat, flieht er und begibt sich, unter dem Namen Lindsay, nach Indien. Dort beginnt ein neuer Abschnitt für ihn. Aber auch hier hat er es alles andere als leicht. Als Fremder in einem unbekannten Land ist er vollständig auf sich alleine gestellt. Glücklicherweise lernt er den Inder Prabaker kennen, der ihm schnell ein guter Freund wird. Prabaker zeigt Lin all die schönen Seiten von seiner neuen Heimat, aber auch vor Armut und Krankheit schreckt er nicht zurück. Als Lin selbst ein Bewohner des Slums wird beschließt er den Menschen zu helfen und kümmert sich um eine medizinische Versorgung vor Ort. Freundschaften werden geschlossen und Lin beginnt seine neue Heimat aus einer völlig neuen Perspektive zu sehen. Doch auch in Indien scheint das Verbrechen ihn zu finden und Lin lässt sich mit einem einflussreichen Mafiaboss ein, wird  Teil des Schwarzmarkts und begibt sich in gefährliches Terrain. Erst zu spät merkt er, dass er sein Handeln schwer bezahlen wird.

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Manchmal liest man ein Buch und spürt, wie dieses Buch einen selbst verändert, wie es Vorstellungen, Gedanken und Wünsche entstehen lässt und wie man danach einen anderen Blick auf die Welt hat. So ein Buch ist Shantaram. Die Lebensgeschichte von Gregory David Roberts, oder eher von Lin in diesem Fall, ist absolut beeindruckend. Das Buch beginnt mit Lins Ankunft in Bombay, doch auch die vorherige Zeit im Gefängnis und der Ausbruch werden in Rückblicken, die sich durch das gesamte Buch ziehen, geschildert. Durch Prabaker werden Lin und auch dem Leser völlig neue Perspektiven eröffnet, die sehr viel über das Leben in Armut aus der Sicht eines Slumbewohners aussagen. Man lernt viel über eine Kultur, die sich doch sehr stark von unseren westlichen Kulturen unterscheidet. Auch der Sprache wird besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Lin lernt während seines Aufenthaltes in Indien Hindi und Marathi. Hindi wird in ganz Indien gesprochen, während Marathi eine regionale Sprache ist, die sich auf den Bundesstaat Maharashtra begrenzt. Sobald in dem Buch in einer der Sprachen gesprochen wird, steht die Übersetzung sofort hinter dem Satz. Es erleichtert das Lesen sehr, zu verstehen, was gesagt wird, ohne in den Fußnoten oder im Anhang nach einer Übersetzung suchen zu müssen, wie es oft in anderen Büchern der Fall ist. Auch die Charaktere wachsen einem stark ans Herz, vor allem Prabaker mit seiner lebensfrohen, sympathischen Ausstrahlung hat es mir angetan.

Da das Buch doch sehr lang und im Grunde „nur“ eine Aneinanderreihung von Ereignissen aus Lins Leben ist, erschien es hauptsächlich zum Ende hin sehr schleppend. Zum Schluss werden allerdings nochmal alle Handlungsstränge aufgegriffen und versteckte Verbindungen aufgedeckt, was mir sehr gut gefallen hat, weil es das gesamte Buch nochmal abrundet. Vor allem die Anfangszeit in Bombay war sehr interessant, lehrreich und prägend, doch nachdem Lin sich wieder dem Verbrechen zugewendet hat, konnte ich mich selbst weniger mit seinen Gedankengängen und Problemen identifizieren. Trotzdem wurden auch im zweiten Teil der Geschichte tiefgehende Themen, wie zum Beispiel die Definition von gutem und bösem Handeln, besprochen, sodass es auch da auf keinen Fall an philosophischer Tiefe gefehlt hätte.

Während man Shantaram liest, möchte man am liebsten sofort selbst nach Indien aufbrechen und dieses wundervolle Land in all seinen Facetten erleben. Es ist eine einmalige Geschichte über die Bedeutung von Liebe, Vertrauen, Familie, Freundschaft, Vergebung und Freiheit. Man bekommt ein Verständnis davon, was die Welt zusammen hält und wie man mit seinen Mitmenschen umgehen sollte. Während des Lesens wird einem richtig bewusst, was uns wichtig im Leben sein sollte und wie jeder vielleicht ein etwas besserer Mensch sein könnte.

 

Hier nochmal eine kleine Inhaltsangabe vom Autor selbst 🙂

Ein grausamer Herrscher und ein Mädchen, das alles ändert

zorn_und_morgenroeteTitel: Zorn und Morgenröte

Autorin: Renée Ahdieh

389 Seiten

Preis: 16,99€

 

Jeden Tag heiratet der Kalif (=König) von Chorasan ein anderes Mädchen. Im Morgengrauen darauf lässt er sie hinrichten. Als Shahrzad ihre beste Freundin durch die Grausamkeit des Kalifen verliert, beschließt sie, ihn zu töten. Sie meldet sich freiwillig, des Kalifen nächste Braut zu werden. Als der Kalif sie in der Nacht ihrer Hochzeit besucht, gelingt ihr das Unmögliche: Sie bekommt einen Tag Aufschub gewährt. Doch je länger sie im Palast ist, erkennt sie, dass der Kalif nicht das Monster ist, für das sie ihn gehalten hatte. Es verbergen sich dunkle Geheimnisse im Palast und Shahrzads Entschluss den Kalifen zu töten, beginnt zu bröckeln.

Das Cover des Buches ist einfach wunderschön. Es gibt nur wenige Fälle, in denen die deutsche Cover-Version schöner ist als das Original, aber dieser hier ist so einer. Zudem sehr ansprechend, ist die Karte des Königreichs Chorasan, die einem sofort beim Öffnen des Buches ins Auge springt. Die Geschichte findet im Orient statt, was sehr erfrischend ist, da es mal etwas Neues ist. Auch fliegende Teppiche, Wunderlampen und alles was man sich unter “ Dem Orient“ vorstellt, darf natürlich nicht fehlen. Das Buch basiert auf „1001 Nacht“, einer abendländlichen Erzählung und ist eine Neuerzählung der alten Geschichte des tötenden Herrschers und der Frau, die ihn ändern kann. Ich habe das Original (noch) nicht gelesen, aber die Version von Renée Ahdieh gefällt mir sehr gut. Anfangs war es durch die vielen orientalische Begriffe und Titel/Anreden, die in die Geschichte eingebracht werden, etwas schwer den Überblick zu behalten, aber das Glossar am Ende des Buches ist dabei eine große Hilfestellung. Die Charaktere sind glaubwürdig, interessant und vor allem der Kalif Chalid hat es mir angetan. Trotz seiner Distanziertheit und Kälte, ist er dem Leser unheimlich sympathisch. Auch Shahrzad ist eine gut gelungene Protagonistin, die mit ihrer spitzen Zunge und ihrer ehrlichen Art für Unterhaltung sorgt. Die zarte Liebesgeschichte, die sich zwischen den beiden entwickelt ist voller Tabus und entgegen aller Vernunft, wodurch sie so unglaublich spannend zu lesen ist. Chalid ist kein Mann der großen Gefühle und Gesten, weswegen die kleinen Aufmerksamkeiten die er Shahrzad zukommen lässt, viel intensiver und romantischer sind, als  es bei jedem anderen wäre. Der konstante Kampf zwischen Shahrzads Verstand, welcher Rache für ihre beste Freundin und den Tod des Kalifen fordert, und ihrem Herzen, welches sich stark zu Chalid hingezogen fühlt, ist nachvollziehbar geschrieben und reißt den Leser mit in ihre allgegenwärtige Verzweiflung.

Als Fazit kann ich nur sagen: WOW. Ich habe das Buch innerhalb weniger Stunden komplett verschlungen, weil es mich nicht mehr losgelassen hat. Es war einfach nicht möglich es zur Seite zu legen. Der Fortsetzung kann gar nicht schnell genug kommen.

Ein besonderes Buch – spannend, faszinierend – mit Gänsehautfaktor

die-insel-der-besonderen-kinder1Titel: Die Insel der besonderen Kinder

Autor: Ransom Riggs

Verlag: Knaur TB

Preis: 12,99 €

 

 

Manche Großeltern lesen ihren Enkeln Märchen vor. Was Jacob von seinem Opa hörte, war etwas ganz anderes: Abraham erzählte ihm von einer Insel, auf der abenteuerlustige Kinder mit besonderen Fähigkeiten leben, und von Monstern, die auf der Suche nach ihnen sind … Erst Jahre später, als sein Großvater unter mysteriösen Umständen stirbt, erinnert Jacob sich wieder an die Schauergeschichten und entdeckt Hinweise darauf, dass es die Insel wirklich gibt. Er macht sich auf die Suche nach ihr und findet sich in einer Welt wieder, in der die Zeit stillsteht und er die ungewöhnlichsten Freundschaften schließt, die man sich vorstellen kann. Doch auch die Ungeheuer sind höchst real – und sie sind ihm gefolgt …

 

_MG_8326Die Insel der besonderen Kinder von Ransom Riggs ist ein besonderes Buch – für mich auch eines, an das ich mich wahrscheinlich immer erinnern werde. Mich hat es verzaubert! Angefangen vom Cover, dass ich als Coverloverin schon wirklich toll fand – so mysteriös und gruselig. Dann der Klappentext, der ebenfalls die Lust auf dieses Buch geschürt hat.

Die faszinierenden, gruseligen Bilder, Briefe und Zeichnungen und die braun gemusterten Blätter, die die einzelnen Kapitel voneinander trennen, verleihen dem Buch zusätzlich etwas besonderes. Die Bilder passen immer zu den entsprechenden Stellen in der Geschichte und verleihen dem Ganzen mehr Tiefe und eine Portion „Grusel“.

Zur Story: Jacob ist ein liebenswürdiger Kerl, der den letzten Wunsch seines Großvaters sehr ernst nimmt. Er beginnt zu recherchieren und macht sich auf die Suche nach den besonderen Kindern und dem Ort an dem sie gelebt haben. Er hofft jemanden zu finden, der sie gekannt hat und etwas über ihre Geschichte erzählen kann und insgeheim hofft er auch, das vielleicht noch eines der Kinder von damals auf der Insel lebt. Die vielen Geschichten seines Großvaters haben die Kinder schon sehr lebendig wirken lassen. Jacob wirkt oft noch sehr jung, was ja natürlich auch ist. Er ist mit seiner Mission ganz auf sich alleine gestellt. Seine Eltern und auch sein restliches privates Umfeld stempeln ihn und seine Angst vor den Monstern, von deren Existenz er seit dem Tod seines Großvaters sicher ist, als Fall für den Psychiater ab. Soviel dazu…

Die besonderen Kinder sind nicht nur aufgrund ihrer Gaben besonders, denn erst der Zauber „des Vogels“ macht sie zu etwas Besonderem.

Mehr möchte ich gar nicht verraten. Riggs hat es auf jeden Fall geschafft mich komplett in dieses Buch hineinzuziehen. Ständig habe ich mich gefragt, wie es wohl wäre, wenn ich an Stelle von Jacob wäre. Es war faszinierend und gleichzeitig beängstigend und es gab viele Momente im Alltag, wo mir plötzlich bewusst wurde, dass ich in Gedanken schon wieder in der Geschichte war .

Fazit: Fantastisches, gruseliges, besonderes, historisch angehauchtes Buch, bei dem auch die kleine Portion Romantik, die ich so mag, nicht fehlt. Klare Kaufempfehlung!